Lippeportal - Oktober 2026

Es ist gruselig

Oktober 2026

Der Oktober ist da. Also jener Monat, in dem Deutschland kollektiv feststellt, dass der Sommer überraschend vorbei ist. Morgens Nebel, mittags Nieselregen, abends die erste Schlagzeile: "Meteorologen warnen vor Jahrhundertwinter!" Natürlich. Wie jedes Jahr. Der Jahrhundertwinter ist inzwischen so zuverlässig wie "Dinner for One" und die Erkenntnis, dass im Baumarkt ab September Spekulatius neben Grillkohle liegt.

Doch eigentlich braucht es gar keinen Winter, um uns das Fürchten zu lehren. Ein Blick in die Nachrichten genügt, denn in Berlin beginnt jeder Tag mit einer politischen Horrormeldung, die klingt, als hätte Stephen King inzwischen eine Niederlassung im Regierungsviertel eröffnet. Irgendwer fordert irgendetwas, jemand anderes lehnt es kategorisch ab, ein Dritter zeigt sich "irritiert", und spätestens um 11.30 Uhr erklärt ein Generalsekretär, die Lage sei ernst, aber man müsse jetzt "die richtigen Schlüsse ziehen".

Welche Schlüsse das sind, erfährt man nie. Vermutlich irgentwas mit Laminat.

Das politische Berlin ist überhaupt längst ein Escape Room ohne Ausgang. Überall Türen, hinter denen Arbeitsgruppen sitzen. Kommissionen flüstern in dunklen Fluren. Untersuchungsausschüsse spuken durch die Nacht. Und irgendwo erscheint plötzlich ein Abgeordneter vor einer Kamera und sagt: "Wir müssen die Menschen mitnehmen." Wohin eigentlich? Man möchte instinktiv antworten: "Nein Danke, ich darf nicht mit Fremden reden, die mir Süßigkeiten versprechen."

Auch aus den übrigen Provinzen des Landes dringen Schreckensmeldungen. Haushaltslöcher, marode Brücken, verspätete Züge, geschlossene Schwimmbäder. In irgendeiner Kreisstadt fällt das Faxgerät im Bürgeramt aus, woraufhin die Verwaltung vorübergehend vollständig handlungsunfähig ist. Zwei Orte weiter wird ein Radweg eröffnet, der nach 180 Metern unvermittelt an einem Stromkasten endet.
Deutschland ist nicht kaputt. Deutschland ist lediglich in der Testphase.

Und dann kommt Halloween. Früher zogen Kinder als Hexen und Vampire verkleidet durchs Viertel. Heute reicht es, sich ein Jackett anzuziehen, einen Aktenordner unter den Arm zu klemmen und an der Haustür zu sagen: "Guten Abend, wir müssen über Ihre Grundsteuer sprechen." Da geben die Leute freiwillig Süßigkeiten.

Vielleicht sollten wir Halloween überhaupt modernisieren. Statt Kürbissen stellen wir Baustellenbaken vor die Tür. Statt Kunstblut gibt es Formulare in dreifacher Ausfertigung. Und wer wirklich Angst verbreiten will, flüstert um Mitternacht nur drei Worte: "Ihre Heizung muss..." Mehr braucht es nicht, und erwachsene Menschen springen aus dem Fenster.

Doch keine Sorge: Bald kommt der Jahrhundertwinter. Mit meterhohem Schnee, eingefrorenen Autos und Temperaturen, bei denen selbst Eisbären freiwillig Wärmepumpen beantragen. Wahrscheinlich werden wir wieder eingeschneit sein. Voraussichtlich für zwölf Minuten irgendwo im Sauerland.

Die gute Nachricht: Bald ist Weihnachten. Die schlechte: Bis dahin sind noch mindestens acht politische Krisen und vier Jahrhundertwinter prognostiziert. Ich denke: Wer sich im Oktober noch vor Gespenstern fürchtet, hat einfach zu selten Nachrichten geschaut.

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