Lippeportal - September 2026

Also ich bin voll in Septemberlaune

September 2026

Der September ist der Monat, in dem der Sommer offiziell noch im Dienstplan steht, aber praktisch nur noch als Aushilfe auf Stundenbasis erscheint. Vormittags 13 Grad und Nieselregen, nachmittags plötzlich 26 Grad. Gerade lange genug, damit man sich falsch anzieht.

Die Sommerferien sind vorbei. Auf den Straßen begegnet man wieder Eltern mit jenem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen "Endlich Schule!" und "Warum beginnt Schule eigentlich so früh?" liegt. Kinder schleppen Ranzen, als hätten sie darin nicht Hefte, sondern die Verantwortung für die deutsche Rentenversicherung.

Ich persönlich bin noch mit der archäologischen Aufarbeitung des Sommers beschäftigt. Aus meinen Schuhsohlen kratze ich die letzten Überreste des Wacken-Schlamm-Festivals. Der Boden dort hatte eine Konsistenz, bei der selbst Moorleichen vermutlich gesagt hätten: "Also mir wäre das zu feucht."

Gleichzeitig überlege ich, noch ein letztes Mal ins Freibad zu gehen. Nicht zum Schwimmen. Das wäre albern. Sondern für einen finalen, verhaltensauffälligen Köpper vom Beckenrand. Jene elegante Mischung aus Mut, Selbstüberschätzung und der Hoffnung, dass niemand vom Orthopädischen Dienst zusieht.

Und dann: Weihnachtsstollen. Im September. Zwischen Grillkohle, Sonnencreme und Restposten an aufblasbaren Flamingos liegt plötzlich dieses puderzuckerbestäubte Backwerk und flüstert: "Es sind nur noch vier Monate bis Weihnachten."

Vier Monate! Früher durfte der Herbst wenigstens noch stattfinden, bevor der Einzelhandel Bethlehem eröffnete. Heute hat man kaum den Sand aus der Badehose geschüttelt, da steht der Spekulatius schon in Habachtstellung.

Aber wissen Sie was? Der September ist gar nicht so übel. Die Luft wird klarer, die Abende gemütlicher, und niemand erwartet mehr ernsthaft, dass man eine "Bikinifigur" besitzt. Von mir jedenfalls nicht. Ich habe noch nicht mal einen Bikini. Gott sei Dank, auch im Namen aller, die vermutlich für immer sehgeschädigt oder unnötig erregt wären. Modisch ist der September ja sowieso ein Monat der völligen Orientierungslosigkeit. Morgens verlässt man das Haus in Jacke und Schal, mittags trägt man beides über dem Arm und schwitzt im T-Shirt, und abends friert man wieder und fragt sich, warum man nicht gleich einen kleinen Kleiderschrank auf Rollen mitgenommen hat. Wer es schafft, sich morgens richtig anzuziehen, darf vermutlich auch Fluglotsen ausbilden.

September bedeutet für mich: Der Sommer ist noch nicht ganz weg, Weihnachten noch nicht ganz da, und dazwischen dürfen wir ein paar Wochen einfach aussehen, wie wir wollen. Ein ausgesprochen sympathischer Monat.

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