Lippeportal - August 2026

Urlaub? Nein danke, ich bin schon da

August 2026

Es ist wieder Urlaubszeit. Jene Wochen des Jahres, in denen der Mensch alles daransetzt, sich von seinem Alltag zu erholen, indem er ihn unter erschwerten Bedingungen an einen anderen Ort verlegt.

Man steht um vier Uhr morgens auf, damit man rechtzeitig im Stau steht. Man fährt sechzehn Stunden Richtung Süden, um dort festzustellen, dass auch andere Menschen Richtung Süden gefahren sind. Sehr viele andere Menschen. Vermutlich alle.

Am Ziel angekommen, beginnt die eigentliche Erholung. Zunächst sucht man das Hotel, dann das Zimmer, dann den Lichtschalter und schließlich die Fassung. Das Zimmer liegt "mit seitlichem Meerblick", was bedeutet, dass man sich aus dem Fenster lehnen, den Oberkörper um 120 Grad verdrehen und gleichzeitig den Kopf zwischen Klimaanlage und Satellitenschüssel klemmen muss. Dann sieht man tatsächlich etwas Blaues. Es könnte das Meer sein. Oder der Pool des Nachbarhotels.

Am nächsten Morgen folgt der traditionelle Kampf um die Liegestühle. Noch vor Sonnenaufgang schleichen erwachsene Menschen mit Handtüchern durch die Anlage, als wollten sie eine militärische Stellung sichern. Ein Handtuch auf einer Liege ist dabei kein Textil, sondern eine völkerrechtlich bindende Grenzmarkierung. Wer es entfernt, riskiert einen internationalen Zwischenfall und ein sehr energisches "Entschuldigung, da liegen wir!".

Man selbst liegt natürlich nicht. Man steht am Buffet. Hinter einem Mann, der offenbar versucht, sämtliche Frühstücksvarianten Europas auf einem einzigen Teller unterzubringen. Croissant, Rührei, Melone, Würstchen, Marmelade und eine Scheibe Käse bilden gemeinsam ein architektonisches Projekt, das von der UNESCO vermutlich abgelehnt würde.

Danach geht es an den Strand. Sand in den Schuhen, Sonnencreme in den Augen, Kinder im Ohr. Das Meer ist herrlich, wenn man es erst einmal zwischen Luftmatratzen, Tretbooten und einem Animateur namens Kevin gefunden hat, der zur allgemeinen Erholung "Aqua Zumba!" brüllt.

Abends sitzt man im Restaurant und bestellt etwas "typisch Regionales". Es kommt eine Pizza. Daneben sitzt ein Paar aus der Heimatstadt, das man dort seit Jahren erfolgreich meidet.

Nach zwei Wochen kehrt man erschöpft zurück und erklärt allen, es sei wunderschön gewesen. Schließlich hat es genug gekostet.

Bei diesen ganzen tollen Aussichten bleibe ich dieses Jahr zu Hause. Hier kenne ich die Sprache, das Essen und den Weg zur Toilette. Der Kühlschrank hat keine Minibarpreise, die Nachbarn bieten keine Animation, und mein Handtuch hängt bereits über meinem Liegestuhl im Garten.

Seit März. Man muss schließlich rechtzeitig reservieren.

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