Lippeportal - August 2025

Wir hätten auch einfach zu Hause bleiben können

August 2025

Sommerferien beginnen ja immer mit einem Traum: "Dieses Jahr wird alles anders!" Wir malen uns aus, wie wir als Familie gemeinsam an einem malerischen See sitzen, während die Sonne sanft die Haut streichelt und wir in harmonischem Einklang den Alltag hinter uns lassen.
Die Realität: Bereits das Packen ist eine Herausforderung. Vater: "Müssen wir wirklich so viel mitnehmen?" Mutter: "Ich habe gar nichts zum Anziehen." Sohn: "Ich brauche nur mein Handy." (Spoiler: Das Handy braucht er wirklich nur zum einen Zweck: Um im Urlaub so zu tun, als wäre er nicht dabei.)
Im Ferienhaus angekommen, beginnt das eigentliche Abenteuer: Das W-LAN hat die Geschwindigkeit eines trägen Faultiers auf Valium und die versprochenen "zwei Gehminuten zum Strand" entpuppen sich als 38-minütiger Gewaltmarsch. Mit Flipflops. Während der Sohn auf der Terrasse sitzt, Kopfhörer auf, und stumm signalisiert, dass er "Familienzeit" genauso toll findet wie Matheunterricht am Samstag.
Abends, beim Essen im "authentischen" lokalen Restaurant, sind wir uns immerhin einig: Die Karte ist unverständlich. Vater bestellt mutig das Gericht mit den wenigsten Konsonanten, Mutter die vegetarische Option (die später als Kaninchenragout enttarnt wird), und Sohn fragt, ob es hier auch Pizza gibt. Immerhin sorgt die anschließende Magenverstimmung dafür, dass wir alle mal wirklich eine gemeinsame Zeit im Ferienhaus verbringen.
Natürlich gibt es auch die Ausflüge. Zum Beispiel den Tagestrip zum "geheimen Wasserfall", den man nur mit einem örtlichen Führer findet (der zufällig der Schwager der Vermieterin ist). Der Wasserfall ist wunderschön - zumindest auf den Instagram-Fotos anderer Touristen. Wir selbst sehen nur das leere Becken, weil unser Sohn 20 Minuten später losgehen musste ("Ich musste noch ein Level abschließen"), und bis dahin der Bach versiegt ist.
Besonders unvergesslich bleibt auch der Nachmittag am Strand. Die Sonne brennt, der Sand ist so heiß, dass man ihn nur mit einem Sprint überlebt, und Vater beschließt, einen Sonnenschirm aufzuspannen. Der Schirm beschließt jedoch, nicht mitzuspielen. Nach zehn Minuten Wrestling, drei gescheiterten Versuchen und dem ersten Muskelkrampf gelingt es ihm endlich - nur um beim ersten Windstoß mit einem eleganten Salto in Richtung Nachbarfamilie abzuhauen. Diese wiederum bedankt sich mit einem empörten "Ey!" in mindestens drei Sprachen. Unser Sohn postet währenddessen ein Selfie: "Eltern sind peinlich."
Und dann war da noch der legendäre Fahrradausflug. Die Idee war romantisch: entspannt durch die Dünen, Meeresluft im Gesicht, Familienidyll pur. Nach 500 Metern stellte sich heraus, dass die Fahrräder aus der Bronzezeit stammen, zwei Ketten quietschten wie ein sterbender Wal, und die Bremsen funktionierten nur, wenn man betete. Vater stürzte zweimal, Mutter verlor einmal die Orientierung, und der Sohn fragte trocken: "Können wir jetzt bitte wieder heim? Mein Handy hat nur noch 3 %." Ab da wurden wir von den Einheimischen respektvoll "die, die zu Fuß zurückgekommen sind" genannt.
Nach einer Woche spüren wir, wie sich ein leiser Wunsch regt: dass der Urlaub endlich vorbei ist. Nicht weil es nicht schön war, sondern weil es zu Hause doch am schönsten ist. Besonders in Lippe.
Sommerferien voller kleiner Katastrophen. Aber immerhin gibt es hinterher was zu erzählen. In diesem Sinne: Gute Reise.

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