Lippeportal - November 2019

Es fehlen die Worte

November 2019

Manchmal ist es einfach so, da weiß man einfach nicht mehr was man sagen soll. Auch ich ( ja tatsächlich, man mag es kaum glauben) ertappe mich dabei, dass ich schlichtweg sprachlos bin. Gründe gibt es ja genug.

Sei es, weil man erschöpft ist und sich einfach nicht mehr zu jedem Schmarrn äußern will, oder weil das Gehirn kurz den gesammten Betrieb auf die lebenserhaltenen Grundfunktionen runtergefahren hat, um sich einmal ausgiebig zu fragen, ob man vielleicht in einer Zeitschleife in einem Paralleluniversum gefangen ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass alle um einen herum rein intellektuell etwas eingeschränkt sind oder man halt selbst noch unter den Spätfolgen von Alkohol und zu lauter Rockmusik leidet. Manchmal ist es eventuell auch einfach eine primäre Schutzfunktion, bei der einem das Unterbewußtsein sagt: Halt doch einfach die Fresse! Bringt ja eh nix.

Diese Schutzfunktion hat übrigens den evolutionären Sprung ins Twitter-Zeitalter ganz offensichtlich nicht geschafft, wie es prominente Beispiele immer wieder unter Beweis stellen. Frei nach dem Motto: "Woher soll ich denn auch wissen was ich denke, bevor ich nicht gelesen habe, was ich so in den Sozialen Netzwerken poste?"
Besonders sprachlos kann man als denkender Mensch immer dann sein, wenn nach besonderen Ereignissen plötzlich alle Menschen zu Experten werden.

Dieselfahrverbote, WM-Finale, Flugzeugabstürze, Zeugnisvergaben, Grippeepidemien, Klimawandel oder Landtagswahlen sind die Themen mit denen wir uns bekanntermaßen alle hervorragend und im Detail auskennen.

Die Wahlergebnisse in Thüringen zum Beispiel kann jeder haarklein analysieren und bewerten, auch wenn er jetzt nicht so ganz genau sagen könnte, wo dieses Thüringen liegt. Im Osten halt. Also irgendwo hinter Barntrup.

Auch bei banaleren Themen, wie der Zeitumstellung kam es in den O-Tönen der Morgenmagazine unserer Fernseh- und Rundfunkanstalten wieder zu Ergüssen feinster Logik und analytischem Verstand. Die Forderung nach einer durchgehenden Sommerzeit wird da schon mal gerne damit begründet, dass dann doch das Wetter auch viel besser wäre. -sprachlos- Ja ne, is klar... auch diese Interviewpartnerin darf irgendwo wählen. Vermutlich eine Partei, die sich ein lustiges Einhorn aufs Plakat malt. Das sind dann auch so die Momente, in denen man zugeben muss, dass eine Sintflut vielleicht nicht immer die schlechteste Lösung ist.

Überhaupt habe ich immer öfter den Eindruck, dass künstliche Intelligenz vielleicht die einzige Chance für halbwegs sinnvolle Kommentare ist. Aber vermutlich denken das auch einige Leser über meine Texte. Aber woher soll ich auch wissen ob der Text gut ist, bevor ich gelesen habe was ich da schreibe...

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