Kolumne
Lippeportal Februar 2012
Das Teutoburger Dschungelcamp
Einige unserer älteren Leser erinnern sich vielleicht noch an die große alte Dame der Fernsehunterhaltung, an Thomas Gottschalk. Er schaffte es als „Berufsjugendlicher“ mit mittelmäßigem Humor und viel Gegrapsche, das ZDF-Flagschiff „Wetten dass...“ über Jahrzehnte erfolgreich zu Traumquoten zu führen. Jetzt moderiert die einstige Legende einen Werbeblock mit gelegentlicher Moderationsunterbrechung in der ARD, und schaffte es mit „Gottschalk live“ tatsächlich, bereits mit der zweiten Folge, trotz hochkarätigen Gästen (wie Franz Beckenbauer) seine Einschaltquote zu halbieren.
Vermutlich wäre die Show auch interessanter gewesen, wenn Beckenbauer alleine im Studio gesessen und auf einem Kamm geblasen hätte. Man könnte fast glauben, dass Gottschalk sich mit diesem Format darum bewirbt, in der nächsten Staffel des „Dschungelcamps“ mitspielen zu dürfen.
Die letzte Promi-Peinlichkeit im australischen Dschungel hatte ja bekanntlich starke Wetterprobleme. Vielleicht könnte man ja die nächste Staffel bei uns im Teutoburger Wald drehen. Mit so einer Ansiedlung seltener Exoten, von denen man dachte, dass Sie längst ausgestorben seien, bekäme die Nationalpark- Debatte doch mal ganz neue Perspektiven. Wobei der Nationalpark ja vermutlich bestenfalls ein Nationalvorgarten wird, da immer mehr Flächen nicht zur Verfügung stehen. Obwohl, das konnte man auch vorher wissen, dass nicht jeder Waldbesitzer sein Grün gerne aufgeben will, damit sich die Füchse ungestört eine Gute Nacht wünschen können. Vielleicht reicht ja auch ein einzelner Nationalbaum, der dann weiträumig abgesperrt wird, und auf dem der einsame Vogel wohnt, der derzeit noch im Kopf des einen oder anderen ein lautes Piiieeep von sich gibt. Hier darf die Demokratie nicht so verstanden werden, dass zehn Füchse aus Düsseldorf und ein lippischer Hase darüber abstimmen, was es zum Abendessen gibt, sondern einzig und allein der Wille der betroffenen Anwohner darf hier zählen. Deshalb lautet der Appell an die Planer und Politiker: Befragt die Besitzer der Waldflächen, die Einwohner der Dörfer und Städte, und dann tut das Richtige, sonst darf man sich nicht wundern, wenn die Einschaltquoten sinken und die Wählerstimmen auf einen anderen Kanal zappen.


