Kolumne
Lippeportal Oktober 2011
Was sind das eigentlich für Leute, die Vorworte lesen?
Manche Leute lesen Vorworte nur aus Langeweile; Andere weil Sie sich gerne über irgendetwas aufregen würden (z.B. warum in diesem Satz Semikolons verwendet werden); und wieder andere, weil sie den Autor mögen, oder eben nicht mögen. Und so kommt es manchmal vor, dass ich auf meine Texte angesprochen werde.
Manchmal heißt es: „Sowas kann man doch nicht sagen!“
Doch, und man kann es sogar schreiben! Denn schnell mal weghören geht leicht, aber weglesen? Deshalb sollte man auch alles schreiben, was dringend mal gesagt werden sollte.
Oft höre ich auch die vorwurfsvolle Frage:
„Wo kommen wir denn da hin?“ Tja, wohin wohl? Wer weiß schon, wo wir hinkämen, wenn wirklich mal einer losgehen würde, um zu gucken, wo wir hinkämen, wenn wir da hingingen, um zu sehen wo wir hinkämen, wenn wir nur gehen würden.
Muss man denn immer so schonungslos offen seine Meinung sagen?
Ja, immer! Manchmal muss man sagen, wenn etwas stinkt, denn aus Scheiße wird auch bei noch so netten Worten kein Schokoladenpudding. Durch Schweigen oder Schönreden ändert sich nix.
Gibt es immer nur eine “richtige“ Meinung?
Politisch, religiös, sexuell und auch sonst kann man jeder Meinung sein, solange man seine eigenen Wertmaßstäbe auch für sich selbst gelten lässt. Niemand sollte “Wasser predigen und dabei selber Wein trinken“. Bilde Dir Deine Meinung und vertritt diese auch! Denn über Meinungen und Positionen kann und sollte man diskutieren, aber Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit des Gesprächspartners sind Grundvoraussetzungen jeder Diskussion.
Liest denn überhaupt irgendwer dieses Vorwort?
Damit klärt sich auch die Frage, was das eigentlich für Leute sind, die Vorworte lesen. Herzlichen Glückwunsch, Sie gehören dazu, und für Sie schreibe ich doch gerne.


