Mehr Bildung, weniger Kinder?
Je höher der Bildungsabschluss der Frauen, desto weniger Kinder bekommen sie. Stimmt, aber nicht in Schweden.
Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung kommt in seiner letzten Veröffentlichung zu dem Ergebnis, dass in Schweden die Ausbildung keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, Mutter zu werden.
Ganz anders in Österreich. Eine Landwirtin wird eher Kinder bekommen als eine Sozialwissenschaftlerin, denn hier spielt der Beruf eine ganz entscheidende Rolle und hier trifft auch zu, “je höher die Bildung, desto weniger Kinder“, aber es gibt Ausnahmen. Eine Diplom- oder Doktor-Ingenieurin sieht genauso oft den Kreissaal wie eine Verkäuferin. Eine Buchhändlerin, die mit Abstand unter den Lehrberufen die höchste Kinderlosigkeit hat, wird genauso oft Mutter wie eine Ärztin oder eine Naturwissenschaftlerin, aber die meisten Frauen mit akademischen Berufen haben weniger Kinder als andere. Eine eindeutige Erklärung können die Forscher nicht anbieten, allerdings scheint das unterschiedliche Bildungssystem eine große Rolle zu spielen. Das schwedische System ist durchlässiger und der akademische Abschluss normaler als in Österreich. Deshalb ist dort der Wiedereinstieg einfacher als in Österreich, wo sich die Akademikerinnen als Minderheit im Konkurrenzkampf mit ihren männlichen Kollegen behaupten müssen. Dazu kommen noch unterschiedliche Ansätze in der Familienpolitik. In Schweden steht die Berufstätigkeit jedes Bürgers im Mittelpunkt, während man in Österreich mehr Interesse an der häuslichen Betreuung der Kinder durch die Mutter hat. Dieses Bild wird sehr rasch ändern. Die steigende Nachfrage nach qualifiziertem Nachwuchs und vor allem die demografische Entwicklung werden den Frauen viele Türen öffnen. Der bereits jetzt zu erkennende Trend, dass sich moderne Unternehmen um die Kinderbetreuung kümmern, wird anhalten, denn unsere Dienstleistungsgesellschaften sind dringend auf qualifizierte Frauen angewiesen.
 
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